Rede: Antrittsrede

von david (Kommentare: 1)

Antrittsrede des Bürgermeisters Dr. Gero Karthaus in der konstituierenden Ratssitzung am 28.10.2009

Sehr geehrte Mitglieder des Rates der Gemeinde Engelskirchen

sehr geehrte Damen und Herren,

 

Mein Amt bedeutet für mich zunächst, das große Vertrauen zu rechtfertigen, dass die Menschen hier mit meiner Wahl in mich gesetzt haben. Vertrauen beinhaltet häufig Erwartungen. Erwartungen, die trotz aller Bemühungen aber nicht immer erfüllt werden können. Im Wünschenswerten das Machbare zu erkennen und umzusetzen, dabei die Bürgerinnen und Bürger offen und ehrlich einzubeziehen, das ist für mich daher ein wichtiges Ziel meiner Arbeit.

Ich fasse meine Aufgabe durchaus als Herzensangelegenheit auf. Was gibt es Spannenderes und Motivierendes als dem eigenen Lebensmittelpunkt, dem eigenen Zuhause, das mich seit meiner Geburt geprägt hat, eine gute Zukunft zu geben. Dies bedeutet mir sehr viel. Deshalb werden Sie mich als Bürgermeister auch in verschiedenen Rollen erleben: als Zuhörer, Moderator und Koordinator genauso wie als Ideengeber, Antreiber, Gestalter und Entscheider. Und sicherlich auch als Mahner oder Brückenbauer. Auf jeden Fall immer als Menschen der Lust auf Perspektiven; auf Lösungen und auf gemeinsamen Erfolg hat.

 

Sehr verehrte Damen und Herren des Rates,

Sie alle zusammen präsentieren den Willen der Bürgerschaft und haben für die Geschicke unserer Gemeinde entscheidende Verantwortung. Zunächst einmal gilt Ihnen mein Dank dafür, dass Sie sich dieser Verantwortung stellen. Es ist alles andere als selbstverständlich, wenn man Freizeit opfert, Privates hintenan stellt und viel Kraft investiert, um ehrenamtlich die Entwicklung unserer Heimat mitzugestalten. Ich wünsche Ihnen dabei die richtigen Erkenntnisse, das notwendige Fingerspitzengefühl, ein respektvolles Miteinander und selbstverständlich Kraft für notwendige und gute Entscheidungen. Seien Sie sich dabei immer bewusst, dass Sie die Interessen dieser Gemeinde und ihrer Menschen vertreten. Denken Sie auch daran, dass die Bürgerinnen und Bürger sehr schnell registrieren, ob ernsthaft in der Sache gerungen wird oder eher persönliche Aspekte bzw. parteipolitische Strategien im Vordergrund stehen. Ich erwarte daher von Ihnen als Ratsmitglieder, dass Sie diese Verantwortung mit Disziplin, Weitblick und Herz, aber auch mit Engagement und der Bereitschaft für gemeinsame, parteiübergreifende Lösungen zum Wohle unserer Heimat wahrnehmen. Sie dürfen von mir wiederum eine offene, kommunikative und ehrliche Zusammenarbeit erwarten. Ich sage Ihnen auch gerne zu, dass eine kompetente und motivierte Verwaltung Ihr Partner und der aller Bürgerinnen und Bürger sein wird.

 

Meine Damen und Herren,

unsere Gemeinde befindet sich in der schwierigsten finanziellen Situation, die sie je erlebt hat. Für Sie und mich ist das alles andere als eine gute Startvoraussetzung. Dennoch müssen wir Wege und Möglichkeiten finden, wie wir trotz dieser dramatischen Rahmenbedingungen etwas bewegen können. Ja, es gibt sie, diese Wege, aber sie sind mühsam, unbequem und manchmal umständlich. Hier und da entpuppen sie sich auch als Sackgasse. Um aber zu erkennen, welcher Weg weiterführt und welche Abzweigung die richtige ist, sollte man nicht alleine gehen. Gemeinsam geht es besser!

Lassen Sie mich kurz einige Ziele ansprechen, die aus meiner Sicht besondere Bedeutung besitzen:

  • Wir müssen Schluss machen mit altem Kirchtumdenken, mit alten Vorurteilen zwischen den Dörfern und Gemeindeteilen. Zusammenwachsen erfordert Ideen und Offenheit. Kulturveranstaltungen können dafür eine Basis sein. Wenn Dörfer und Vereine sich besuchen, ist Kennenlernen garantiert. Wieso sollte es uns nicht auch gelingen, im Rahmen eines großen autofreien Wander- und Fahrradtag von Unterstaat bis Oesinghausen mit hunderten von Aktionen und Angeboten die vielfältigen Gesichter unserer Gemeinde vorzustellen. Mit unserem Namen, einer phantastischen Engelssammlung und einem Christkindpostamt, das auf dem besten Weg ist, weltweit bekannt zu werden, haben wir einen echten Marketing – Schatz, den es zu heben gilt.
  • Wirtschaftsförderung muss bei uns die konsequente Unterstützung der kleinen und mittleren Unternehmen sowie der Handwerksbetriebe bedeuten. Einen wichtigen Schritt darin geht das Rathaus zurzeit durch die Zertifizierung als „Mittelstandsfreundliche Kommunalverwaltung“. Unter dem Motto „Ideen in Arbeitsplätze“ sollen jungen Unternehmern mit zukunftsträchtigen Technologien der rote Teppich ausgelegt werden. Lassen Sie uns dabei auch auf intelligente und realisierbare Gewerbeflächenentwicklungen setzen.
  • Nur wo es attraktiv ist, leben, wohnen und arbeiten Menschen gerne. Das gleiche gilt auch für das Einkaufen. Daher müssen wir es schaffen, den Ortskernen von Loope, Engelskirchen, Ründeroth und Osberghausen Perspektiven und Impulse zu geben. Privates Geld wird erst investiert, wenn ein verlässlicher Rahmen vorhanden ist. Eine wesentliche Verbesserung für die Verkehrsinfrastruktur in unserer Gemeinde, aber auch weit darüber hinaus, würde eine neue Haltestelle der Bahn im Bereich Loope bedeuten. Die Chance, die sich hier bietet, dürfen wir nicht verpassen. Mit dem Alterswandel in unserer Gesellschaft richtig umzugehen, bedeutet neue Nutzungs- und Wohnideen in den Dörfern aufzugreifen. Mobilitätsangebote und eine wohnortnahe Versorgung gehören auch dazu, dass Engelskirchen für junge Familien attraktiv und für spätere Lebensabschnitte erste Wahl bleiben kann.
  • Engelskirchen muss im Klimaschutz vorangehen. Und das Schöne dabei ist: alle können schon heute davon profitieren. Nachwachsende Energierohstoffe aus unseren großen Waldgebieten, Strom aus der Wasserkraft der Aggerstaustufen und von unseren Dächern bieten die Chance, Klimaschutz zu betreiben und dabei zu verdienen.
  • Bildung ist unser wertvollstes Kapital. Die Qualität unserer Kindergärten und Schulen entscheidet mit über die Zukunftschancen unserer Kinder. Daher brauchen wir leistungsfähige, gut ausgestattete Einrichtungen. Wir können stolz auf ein modernes Schulzentrum mit Haupt- und Realschule in der Walbach sein. Unsere Grundschulen werden gerade energetisch auf einen guten Stand gebracht. Bleibt da noch die dringend notwendige Sanierung des Aggertalgymnasiums, die uns alle heftig bewegt und beschäftigt. Lösungen hierfür werden finanziell mehr als wehtun, sind aber ohne Alternative. Hoffentlich sieht das die Kommunalaufsicht ebenso.
  • Vom finanziellen Desaster in unserer Kasse war schon kurz die Rede. Unsere Gemeinde hat hohe Schulden und immer mehr kommen hinzu. Trotz der Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden, trotz Abbaus von gewohnten Standards, trotz Verkauf von Eigentum: aus eigener Kraft können wir diese fatale Situation nicht lösen. Vor allem deshalb nicht, weil unsere Ausgaben in hohem Maße fremdbestimmt sind. Wann endlich begreifen Bund und Land, dass mit der Aufgabenzuweisung an die Kommunen auch eine auskömmliche Finanzierung verbunden sein muss? Hier dürfen wir nicht aufhören, grundsätzliche Veränderungen anzumahnen.
  • Auch wenn wir uns Gewohntes nicht weiter leisten werden können: Rat und Verwaltung sind für die Menschen da. Freundliche und kompetente Dienstleistungen schaffen zufriedene Bürgerinnen und Bürger. Ich kann guten Gewissens sagen, dass unsere Verwaltung hier sehr gut aufgestellt ist. Mit Ortskonferenzen möchte ich zukünftig den kurzen Draht zum Bürgermeister und zum Rat bieten. Das bedeutet, dass das „Rathaus“ auf die Bürgerinnen und Bürger zugeht. „Einmischen erwünscht“ ist das Motto dieser Ortskonferenzen, die eine neue Qualität im Miteinander erreichen helfen sollen.
  • Bei den geschilderten Voraussetzungen brauchen wir Menschen, die freiwillig und unentgeltlich Gutes leisten, immer mehr. Ohne das Engagement in Vereinen, Gruppen, Verbänden und Kirchen haben wir nur wenig Chancen auf eine gute Zukunft. Daher müssen ehrenamtlich Tätige wertgeschätzt und unterstützt werden. Lassen Sie uns dazu Ideen und Vorschläge entwickeln, wie wir diese Menschen in ihrer Aufgabe bestätigen und weitere Ehrenämtler hinzugewinnen können. Eine Bürgerstiftung für unser Gemeindegebiet kann viel Gutes leisten und ist längst überfällig. Wir sind nach intensiven Gesprächen und Vorbereitungen auf einem guten Weg, solch eine Stiftung Anfang des nächsten Jahres ins Leben zu rufen.

 

Meine sehr verehrten Damen und Herren

Vieles weitere ließe sich aufführen, wenn es um Ziele und Herausforderungen geht. Eines ist sicher: Auf uns alle wartet eine Menge Arbeit. Und diese wird nicht einfach. Der Rat wird den Menschen im Aggertal auch unangenehme Dinge zumuten müssen. Fair um Lösungen ringen, die Bürgerinnen und Bürger dabei umfassend zu informieren und sie so weit wie möglich einzubeziehen: das wird unsere gemeinsame Aufgabe in den nächsten 5 Jahren sein. Lassen Sie uns die Dinge mit Zuversicht und Tatkraft anpacken.

Ich freue mich auf eine hervorragende und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Maria Schmitz und Ursula Gelbert-Knorr als stellvertretende Bürgermeisterinnen, mit Ihnen als Mitglieder des Rates, mit meinen Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung und nicht zuletzt mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Gemeinde, das sind wir alle zusammen. Ich wünsche uns Gottes Segen für unsere Arbeit.

Vielen Dank.

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Kommentar von RockSolid Demo |

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